Shahram Entekhabi

Biografie

1957
in Beroujerd/Iran geboren

1976-1979
Grafikdesignstudium an der Universität Therean/Iran

1979-1982
Studienaufenthalte in Italien (Architektur und Italienisch)

Seit 1983
in Berlin

1983-2000
freier Architekt in Berlin

seit 2001
Videoarbeiten, Fotografie, Installationen, Einzelausstellungen

Seit 2002
Teilnahme an zahlreichen internationalen Einzel- und Gruppenausstellungen, sowie Wettbewerben. Seine Arbeiten werden bei Festivals und Screenings u.a. in Italien, Mazedonien, Russland, Deutschland und Spanien gezeigt.



Informationen zu den beim Screening am 7. Juli gezeigten Filmen

happy meal, 2004
video, 12:10 min, color/sound

Die Videoarbeit "Happy Meal" zeigt ein mit einem Tschador verhülltes, kleines Mädchen, das mit Wonne in einem Mc-Donalds-Restaurant ein speziell für Kinder kreiertes Menü, ein sog. "Happy Meal" isst. Die Arbeit ist mit poppigen, islamischen Kindergesängen unterlegt, die dem Lob Allahs dienen. Die Arbeit konfrontiert nicht nur zwei gegensätzliche Konzeptionen von Kindheit, die westliche mit ihrem konsumeristischen Pragmatismus und die östliche mit ihrem auf das Jenseits gerichteten Heilsversprechen, sondern sie deutet auch die Dimension einer "dritten Kultur" an: Das Verhalten des kleinen Mädchens spricht von einer Symbiose dieser beiden Konzeptionen, so dass eine ganz neue Kultur entstehen kann.

Caution, 2004
Eine Gemeinschaftsproduktion mit Mieke bal
Video, 9:08 min, color/sound

Im Video "Caution" verwirrt ein durch sein Auftreten und seine Kleidung als Migrant erkennbarer Mann amerikanische Studenten, indem er mit einem europäischen rot-weißen Absperrband einen Teil des Campusgelände abteilt. Die Studenten sind weniger von der für sie nicht einortbaren Aktion irritiert, als vielmehr von der Tatsache, dass sich jemand erdreistet in "ihre" Gelände, das an sich ein öffentlicher Raum ist, einzudringen. Genau diese Reaktion will Entekhabi hervorrufen. Die Studenten, die das Eindringen des Migranten in den von ihnen als ihren Raum begriffen Campus, als Störung empfinden sollen durch die Aktion auf ihre verquere Sichtweise des öffentlichen Raums aufmerksamgemacht werden.

"i?", 2004
video, 4:17 min, color/sound

"i?" besteht aus zehn Episoden, in denen ein Tag aus dem Leben des Protagonisten O, gespielt von Shahram Entekhabi, erzählt wird. Das Video ist in Anlehnung an den Film "Film" von Samuel Beckett mit Buster Keaton in der Hauptrolle entstanden, den bereits Gilles Deleuze um Beleg seiner Unterteilung des Bewegungs-Bildes in Aktionsbild, Wahrnehmungsbild und Affektbild heranzieht. Wie sein Vorgänger "Film" behandelt "i?" den Komplex von Blicken und Erblickt-Werden, von Beobachtung und Wahrnehmung, in Reflexion auf das berühmte Diktum des irischen Bischofs Berkeley: "Esse est percipi" (Sein ist Wahrgenommen-werden). In Entekhabis Interpretation des Themas jedoch wirdder Komplex um Selbst- und Fremdwahrnehmung erweitert durch eine migrantische Perspektive und die Frage nach Identität zwischen zwei Kulturen. Somit wechseln im Film die Perspektiven des Protagonisten und der Kamera beständig ab, bis auf die Schlussszene wird jedoch das Gesicht des O (und seines später auftauchenden "Zwillings") niemals gezeigt. In einem geschlossenen Kreislauf beginnt und endet der Film in der Wohnung des Protagonisten, wobei die Handlung jeweils um das Spiegelbild des O kreist.

"i?" und "Caution" sind Arbeiten aus der mixed media Reihe: Migrant-media.

Bilder:
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