Barbara Lutz
fremd & eigen - Portugiesische Vereinskultur in Hamburg
Auszug aus dem Bildband fremd & eigen
C prints, 21 cm x 19, 8 cm (hoch & quer) 2004
Begegnungen mit dem Fremden sind uns vertraut, auch wenn wir den Anderen dabei häufig als nicht-vertraut wahrnehmen. Doch es sind weniger die fremden, als vielmehr die eigenen Wirklichkeitsvorstellungen und Verhaltensweisen, die eine Begegnung mit dem Anderen so reizvoll, aber auch so schwierig machen.
Was nehme ich wahr und wie werde ich wahrgenommen, wenn ich mich außerhalb meines eigenen vertrauten Bereiches bewege und über die Türschwelle in einen angrenzenden Lebensraum vordringe, der anderen gehört und mir Fremdes, aber auch Bekanntes aufweist? Wie erlebe ich das Zusammentreffen mit einer mir nicht vertrauten Kultur, einer fremden Sprache und ungewohnten Umgangsweisen? Wie gestaltet sich das Leben von Menschen portugiesischer Herkunft im unspektakulären Alltag Deutschlands, hinter der Kulisse portugiesischer Vereinsheime und Klubhäuser, innerhalb eines gemeinschaftlichen Freiraums?
Sowohl im Stadtbild als auch in der Gesellschaft Hamburgs ist ein portugiesischer Einfluß zu beobachten. Im Vergleich zu anderen deutschen Bundesländern weist die portugiesische Bevölkerung in Hamburg mit etwa 10 000 registrierten Staatsbürgern die größte Dichte auf. Mitte der 60er und Anfang der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts wurden portugiesische Bürger vom deutschen Staat als vertraglich gebundene Arbeitskräfte angeworben und trugen nach ihrer Einwanderung zum Wiederaufbau der BRD in der Nachkriegszeit bei. Ihre Anwesenheit in Deutschland wurde damals sowohl von der Mehrheit der "Gäste" als auch von den "Gastgebern" als befristet geplant und so kehrten einige in den 80er Jahren in ihre Heimat zurück, andere aber blieben.
Heutzutage leben Menschen portugiesischer Herkunft mit ihren Familien bereits seit drei Generationen als ständige Mitglieder in der deutschen Gesellschaft, und dennoch besitzen sie aufgrund unserer gesellschaftlichen Beziehungsstruktur den Status der "Fremden".
Die Anwesenheit der Portugiesen und all der Menschen, die sich dieser Bevölkerungsgruppe zugehörig fühlen, tritt an vielen verschiedenen Orten in Hamburg in Erscheinung, so zum Beispiel in Sport-, Kultur- und Freizeitvereinen. Hier verbringen die Menschen aus persönlichem Interesse einen Großteil ihrer Zeit und halten bei gemeinschaftlichen Aktivitäten, Festen und Veranstaltungen die Sprache und die Traditionen ihres Heimatlandes auf vielfältige Weise lebendig.
Mit den Fotografien möchte ich die gesellschaftliche Realität und das aktuelle Leben von Menschen zugänglich machen, das Spuren portugiesischer Kultur und Verwurzelung in der Heimat zeigt. Sie sollen Aufschluß geben über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen ihrer portugiesischen Herkunft und ihrer deutschen Wahlheimat.
Die Fotografie dient mir als Form der Kommunikation, die unabhängig von Sprachbarrieren und Mentalitätsunterschieden verstanden werden kann. Die Blicke der Menschen können dabei als Resultat eines einvernehmlichen Dialogs zwischen Fotografin und Gegenüber verstanden werden. Die beiläufige und unaufdringliche Art der Aufnahmen von Personen, Gegenständen und Situationen will dazu anregen, die gewohnte und selbstverständliche Sicht auf die Umwelt zu überprüfen und in der Begegnung mit Anderen die eigene Position in der Gesellschaft neu zu definieren.
Im Miteinander der Kulturen verschiedener Länder an einem Ort liegt die Chance, mentale und soziale Grenzen zu überschreiten. Dadurch kann die Frage nach der Integration von Menschen einer anderen Nation in Deutschland um eine neue Sichtweise bereichert werden.
Barbara Lutz, geboren 1976 in Pforzheim
1997 - 1998
Haller Akademie der Künste, Schwäbisch Hall
2001 - 2002
Studium an der Escola Superior de Tecnologia, Gestão, Arte e Design in Caldas da Rainha, Portugal
1998 - 2005
Studium Angewandte Kulturwissenschaften und Ästhetische Praxis an der Universität Hildesheim
2003 - 2004
Buchprojekt fremd & eigen
Kontakt: cabalu@web.de
Bilder:
Auszug aus dem Bildband fremd & eigen
C prints, 21 cm x 19, 8 cm (hoch & quer) 2004
Begegnungen mit dem Fremden sind uns vertraut, auch wenn wir den Anderen dabei häufig als nicht-vertraut wahrnehmen. Doch es sind weniger die fremden, als vielmehr die eigenen Wirklichkeitsvorstellungen und Verhaltensweisen, die eine Begegnung mit dem Anderen so reizvoll, aber auch so schwierig machen.
Was nehme ich wahr und wie werde ich wahrgenommen, wenn ich mich außerhalb meines eigenen vertrauten Bereiches bewege und über die Türschwelle in einen angrenzenden Lebensraum vordringe, der anderen gehört und mir Fremdes, aber auch Bekanntes aufweist? Wie erlebe ich das Zusammentreffen mit einer mir nicht vertrauten Kultur, einer fremden Sprache und ungewohnten Umgangsweisen? Wie gestaltet sich das Leben von Menschen portugiesischer Herkunft im unspektakulären Alltag Deutschlands, hinter der Kulisse portugiesischer Vereinsheime und Klubhäuser, innerhalb eines gemeinschaftlichen Freiraums?
Sowohl im Stadtbild als auch in der Gesellschaft Hamburgs ist ein portugiesischer Einfluß zu beobachten. Im Vergleich zu anderen deutschen Bundesländern weist die portugiesische Bevölkerung in Hamburg mit etwa 10 000 registrierten Staatsbürgern die größte Dichte auf. Mitte der 60er und Anfang der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts wurden portugiesische Bürger vom deutschen Staat als vertraglich gebundene Arbeitskräfte angeworben und trugen nach ihrer Einwanderung zum Wiederaufbau der BRD in der Nachkriegszeit bei. Ihre Anwesenheit in Deutschland wurde damals sowohl von der Mehrheit der "Gäste" als auch von den "Gastgebern" als befristet geplant und so kehrten einige in den 80er Jahren in ihre Heimat zurück, andere aber blieben.
Heutzutage leben Menschen portugiesischer Herkunft mit ihren Familien bereits seit drei Generationen als ständige Mitglieder in der deutschen Gesellschaft, und dennoch besitzen sie aufgrund unserer gesellschaftlichen Beziehungsstruktur den Status der "Fremden".
Die Anwesenheit der Portugiesen und all der Menschen, die sich dieser Bevölkerungsgruppe zugehörig fühlen, tritt an vielen verschiedenen Orten in Hamburg in Erscheinung, so zum Beispiel in Sport-, Kultur- und Freizeitvereinen. Hier verbringen die Menschen aus persönlichem Interesse einen Großteil ihrer Zeit und halten bei gemeinschaftlichen Aktivitäten, Festen und Veranstaltungen die Sprache und die Traditionen ihres Heimatlandes auf vielfältige Weise lebendig.
Mit den Fotografien möchte ich die gesellschaftliche Realität und das aktuelle Leben von Menschen zugänglich machen, das Spuren portugiesischer Kultur und Verwurzelung in der Heimat zeigt. Sie sollen Aufschluß geben über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen ihrer portugiesischen Herkunft und ihrer deutschen Wahlheimat.
Die Fotografie dient mir als Form der Kommunikation, die unabhängig von Sprachbarrieren und Mentalitätsunterschieden verstanden werden kann. Die Blicke der Menschen können dabei als Resultat eines einvernehmlichen Dialogs zwischen Fotografin und Gegenüber verstanden werden. Die beiläufige und unaufdringliche Art der Aufnahmen von Personen, Gegenständen und Situationen will dazu anregen, die gewohnte und selbstverständliche Sicht auf die Umwelt zu überprüfen und in der Begegnung mit Anderen die eigene Position in der Gesellschaft neu zu definieren.
Im Miteinander der Kulturen verschiedener Länder an einem Ort liegt die Chance, mentale und soziale Grenzen zu überschreiten. Dadurch kann die Frage nach der Integration von Menschen einer anderen Nation in Deutschland um eine neue Sichtweise bereichert werden.
Barbara Lutz, geboren 1976 in Pforzheim
1997 - 1998
Haller Akademie der Künste, Schwäbisch Hall
2001 - 2002
Studium an der Escola Superior de Tecnologia, Gestão, Arte e Design in Caldas da Rainha, Portugal
1998 - 2005
Studium Angewandte Kulturwissenschaften und Ästhetische Praxis an der Universität Hildesheim
2003 - 2004
Buchprojekt fremd & eigen
Kontakt: cabalu@web.de
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